Verlag

Liebe Zeit, wie haben Sie uns denn jetzt gefunden? Aber kommen Sie! Kommen Sie rein, wo Sie schon mal da sind. Und herzlich willkommen beim Straßenköter des deutschen Verlagswesens! Hier finden Sie die Bücher, die niemand haben wollte (zumindest einige davon). Bücher, die an etwa 22 Millionen Verlage rausgingen, nur um uns Absagen zu einzufangen (wir arbeiten momentan an einem Buch namens Manuskriptablehnung für Dummies). Die sind nur so auf uns eingeprasselt, diese Absagen; wurden uns zugeworfen wie Knochen, an denen noch ein paar Fetzen ranziger Prosa hängen. Ehrlich gesagt kam uns die Zahl der Absagen fast höher vor als die Anzahl unserer Verlagseinsendungen. Eher wie 23 Millionen.

In einer der Absagen hieß es, es gebe keinen Markt für so ein (oder irgendein) Buch, und das ist sicher richtig: Gibt es nicht! In einer anderen stand, das Buch würde sich niemals verkaufen, und auch das traf den Nagel auf den Kopf: Man könnte die Dinger nicht mal herschenken (wir haben’s versucht). Ja, und als wir dann unser erstes Buch selbst druckten, meinte Onkel Arthur, es sei eine Schande, sein Geld so zu verplempern. Er hat völlig Recht, aber wissen Sie was? Wir haben schon das nächste Buch aufgelegt. Und wer weiß, vielleicht probieren wir’s demnächst mal mit einem Roman. Weil der mehr Seiten hat. Sieht sicher aus wie ein richtiges Buch.

Es ist ja nicht so, dass wir nicht akzeptieren können, dass der Buchmarkt tot ist (und er ist mausetot). Es wäre auch nicht die ganze Wahrheit zu sagen, dass wir gern Geld zum Fenster rausschmeißen (tun wir aber). Es ist nur schlicht so, dass man seine Ruhe hat, solange das Geschäft nicht läuft (ist absolut mau). So gesehen ist alles paletti. Und es ist doch besser, ein Buch zu machen, als einen Gebrauchtwagen für das Geld zu kaufen (oder was?).

Um sich eine Vorstellung von der geistigen Reife der ganzen Sache zu verschaffen, brauchen Sie bloß unser Bild vom Straßenköter anzuschauen:

 

 

 

 

 

 

 

Und den Kettenhund haben wir uns auch noch ausgemalt, ganz klar das Alphatier im Verlagswesen. Man sieht gleich, was Sache ist, nicht wahr? Warum sollte der unsere Bücher verlegen wollen? Oder Ihre? Lächerlich, die Vorstellung, …

In einem Wort: Vielleicht sollten Sie sich diese Farce nicht wie einen Verlag vorstellen. Sondern eher wie eine Hundehütte. Schauen Sie doch her: Der Köter hockt ja drin, in der Hundehütte, heult wie ein Schlosshund und wartet bang, dass ihm mal wieder jemand einen Knochen reinwirft. Ja, und wenn Sie Lust haben, sich ein paar der Knochen anzuschauen, die er bereits abgenagt hat, klicken Sie sich doch einfach weiter! Manche kann man sogar kaufen. Mit Fetzen ranziger Geschichten dran. Oder Gedichten. Oder noch Garstigerem …